gezüchtet von: Martin NUSSGRUBER, Rudolf THURNER
Zuchtbericht von: Rudolf THURNER

Der Nebenflussregenbogenfisch - Melanotaenia utcheensis Mc Guigan 2001
Dieser Fisch kommt in Australien in Nordqueensland im Johnston River und seinem Nebenfluß, dem Utchee Creek, vor. Man könnte ihn nach seinen Aussehen nach durchaus in die Gruppe der Melanotaenia splendida splendida einordnen. auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Melanotaenia eachamensis ist nicht zu leugnen. Doch laut Beschreibung hat dieser Fisch mehr erste dorsal Dorne und weniger vertikal Skalareihen und anale Strahlen als Melanotaenia splendida oder Melanotaenia eachamensis. Daher ist Melanotaenia utcheensis als independante Sorte klassifiziert worden. Dieser Fisch ist erste seit relativ kurzer Zeit beschrieben.
Die Färbung, die man ja meistens nach dem Männchen der Regenbogenfische beschreibt - da sie häufig schöner als die Damen gezeichnet sind, ist bei unserem Fisch ein silber gefärbter Untergrund mit blauschwarzem Mittelstreifen und leuchtenden roten Streifen über seinem Körper. Für mich einer der schönsten rotgestreiften Fische !
Doch wie kommt man zu solchen "Tieren" und wie züchtet man sie nach ?
Im Jahr 2001 fuhren vier Mann - Johann Posch, Franz Scheifinger, Alois Knoll und meine Wenigkeit - nach Belgien. Erstens um an der Jahreshauptversammlung der IRG (= Internationale Regenbogenfischgesellschaft) Teil zu nehmen. Zweitens wollten wir die in der Stadt Hasselt gleichzeitig stattfindende Ausstellung ESPO 2001 besuchen. Zeitig in der Früh, um vier Uhr, bagann unsere Fahrt nach Belgien. Über Linz und Passau kamen wir vorerst nach Deutschland. Dort besuchten wir ein großes Aqua-Geschäft namens Biotop. Was wir dort an Fischen und aquaristischem Material sahen, lies unsere Herzen ein wenig höher schlagen. Ein riesiges Angebot an Pflanzen, ganze Abteilungen so groß wie manches Geschäft bei uns in Wien mit Fischen einer Sorte (zN nur Salmler oder nur Malawiefische). Doch nichts desto Trotz, unsere Fahrt sollte ja erst in Hasselt enden, deswegen wurde auch nichts eingekauft. Obwohl mir ein Pärchen von Melanotaenia parkinsoni rot in die Augen gestochen hätte.
Nach dem wir in Belgien angekommen waren und uns in einem Wald gelegenen Bungalow einquartiert hatten, führte unser erster Weg zur Ausstellung in die Grenzlandhalle in Hasselt.
Da wir schon einige Stunden vor der Eröffnung vor Ort waren, wurde für uns Österreicher eine Ausnahme gemacht und wir durften führer hinein. Dies stellte sich als großer Vorteil beim Filmen und Fotografieren heraus, da man nicht so wie in den nächsten Tagen von den Menschenmassen hin und her geschoben wurde. Über die EXPO 2001 wurden schon einige Artikel geschrieben, daher möchte ich nicht genauer auf sie eingehen. Eines sei nur gesagt: Ich habe noch nie so wunderbare und artgerecht eingerichtete Aquarien in so großer Anzahl an einem Ort gesehen. Wir verbrachten drei Tage in dieser Halle und ich konnte nicht genut von diesem Angebot bekommen. doch nun zurück zu unseren Fischen. Anschließend an die IRG-Hauptversammlung ist immer eine Fischbörse, auf die wir uns schon besonders freuten. Denn dort gibt es meistens Fische, die es in Österreich noch nicht gibt. So fiel mir auch ein Angebot Melanotaenia utcheensis von Mst. Peters, einem Belgier, auf. Die Fische waren noch sehr klein und hatten keine Farbe. Er versicherte mir allerdings, daß sie, wenn sie erwachsen sind, wunderbar rotgestreift sein werden. Ich vertraute ihm und kaufte um das letzte belgische Geld die "Katze im Sack". Zehn Stück wurden eingesackt und traten die Reise nach Himberg an (so wie einige andere Arten auch - zB Melanotaenia parkinsoni oder Melanotaenia trifasciata Hapgood River und Pseudomugil signifer - kamen alle wohlbehalten in Himberg an).
Nach einem Jahr entpuppten sich Melanotaenia utcheensis als wunderschöner neuer Regenbogenfisch. Ich hatte nun drei Männchen und fünf erwachsene Weibchen, denn zwei Tiere hatte ich leider durch Herausspringen verloren. Die Männchenhatten eine Größe zwischen 8 - 10 cm, die Weibchen blieben ein wenig kleiner und waren nicht ganz so schön gefärbt wie die Männchen. Die Fütterung der Tiere ist problemlos, wie bei jedem Regenbogenfisch. Natürlich nehmen sie lieber Lebendfutter und Anflugnahrung, aber auch mit Trockenfutter finden sie ihr Auslangen. In einem 60 l Becken mit Javamoos setzte ich das schönste Männchen mit zwei Weibchen zur Zucht an. Das Zuchtwasser wurde mittelhart gewählt. 8 - 12 GSH, PH 7 - 7,5, die Temperatur stellte ich zwischen 24 - 26° C ein.
Nach fünf Tagen konnte ich bereits die ersten Eier an Haftfäden im Javamoos hängen sehen. Nach weiteren sieben Tagen wurden die Zuchttiere wieder in ihr Artenbecken rückversetzt. In den nächsten zwölf Tagen war ein ständiges Schlüpfen der Jungfische zu erkennen und die ersten Nachzuchttiere in Österreich waren gelungen. Inzwischen gibt es bereits die dritte Generation. Die Jungfische sind, sowie alle Regenbogenfische, relativ leicht mit Eipulver oder feinst zerriebenem Trockenfutter und nach einer Woche mit Salinen-Nauplien aufzuziehen. Ich hoffe, mit diesem kleinen Artikel doch einige Züchter angeregt zu haben, diesen Fisch über längere Zeit zu halten und nachzuziehen.
Er sollte nicht nur ein Nebenfluß-Regenbogenfisch in Österreich sein, sondern er verdient sich ein Hauptfisch zu werden.