Bericht von: Erich HOLUB
Leider sind die eierlegenden Zahnkarpfen noch immer die Stiefkinder unserer Aquarien. Dabei müssen selbst Anhänger der "klassischen" Gesellschaftsaquarien mit verschiedenen Fischen auf bestimmte eierlegende Zahnkarpfen als belebendes Element keineswegs verzichten.
Die eierlegenden Zahnkarpfen sind mit Ausnahme von Australien auf allen Kontinenten verbreitet. In Nordamerika, Europa und Ostasien dringen sie verhältnismäßig weit nach Norden vor. Sie sind daher nicht - wie häufig angenommen - in ihrem Vorkommen an höhere Wassertemperaturen gebunden (Türkei !).
Insgesamt gibt es ungefähr 50 Gattungen eierlegender Zahnkarpfen und etwa 600 Arten. Diese Zahl schwankt, da manche Arten, aber auch Gattungen nicht allgemein anerkannt werden; das heißt, daß sich die Ichthyologen in verschiedenen Fällen uneins sind, ob es sich nun um eine Gattung, Untergattung oder eine Gruppierung ohne Gattungsrang handelt. Die Bestimmunge und Abgrenzung der Arten ist schwierig, da die äußerlichen Unterschiede oft sehr gering sind.
Killifische besitzen recht unterschiedliche Körperformen und Farben. Sie können schlank, gedrungen, hochrückig, hechtförmig, zylindrisch, lang- oder rundflossig sein. Die meisten sind eher kleine Fische mit 5 - 7 cm Körperlänge. Die kleinsten Vertreter werden nur etwa 2 - 2,5 cm groß (Leuchtaugenfische), die größten bis 20 cm (amerik. Kettenkärpfling).
Die Geschlechtsunterschiede sind bei den meisten eierlegenden Zahnkarpfen deutlich. Die Männchen sind wesentlich farbiger und schöner gezeichnet als die Weibchen. Die Färbung der Weibchen ist meistens einfärbig hellgrau, braun, rotbraun, manchmal mit vereinzelten farbigen Punkten. Daher sind die Weibchen auch von Kennern nur schwer einer bestimmten Art zuzuordnen. Für Zuchtzwecke muß daher auf eine sorgfältige Trennung der Weibchen geachtet werden um eine reinerbige Artenerhaltung sicherzustellen.
In der Natur besiedeln Killifische meist stehende Gewässer, wie Seen, Teiche, Tümpeln, Sümpfe, aber auch kleinste Wasserpfützen (Kis = holländisch = kleine Wasseransammlung), in Ausnahmefällen auch küstennahe Lebensräume. Von diesen Gewässern führen manche ständig, andere nur zeitweilig Wasser (-> Saisonfische).
Die Lebensdauer dieser Fische beträgt nur eine Saison. Bei den übrigen hängt die Lebenszeit vom Vorhandensein von Wasser ab. Die Gewässertiefe kann dabei sehr variabel sein - von einigen wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern. Die Killifische halten sich dort hauptsächlich in flachen Uferzonen auf. Einige bevorzugen dabei die Wasseroberfläche (Hechtlinge), andere die Bodennähe (Bodenlaicher). Die meisten Killis lieben Versteckmöglichkeiten zwischen Pflanzen, Laub, Steinen und Wurzeln sowie überhängenden Sumpfpflanzen.
Eierlegende Zahnkarpfen benötigen je nach Herkunft sauberes und biologisch einwandfreies Wasser (regelmäßiger Wasserwechsel) von weich bis mittelhart.
Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind vorteilhaft. Hinsichtlich der Temperaturen werden im allgemeinen mittlere Werte (20 - 24°) angebracht sein. Zu hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer unserer Pfleglinge. Zum Thema Aquarienwasser wird auf einschlägige Spezialliteratur verwiesen.
Die Killifische bevorzugen lebendes Futter, in erster Reihe Mückenlarven aller Art, doch ist dabei wichtig, nicht zu überfüttern. Pflanzen sowie Algen werden im allgemeinen nicht gefressen.
Die eierlegenden Zahnkarpfen weisen zwei unterschiedliche Verhaltensweisen bei der Vermehrung auf. die sogenannten Bodenlaicher legen ihre Eier in den Boden. Zu ihnen zählen einige Aphyosemion-Arten und die in Südamerika beheimatete Gattung Cynolebias. Der Laichvorgang erstreckt sich über mehrere Tage oder Wochen. Dabei werden täglich einige Eier abgegeben und im Boden versteckt. Bei manchen Arten tauchen die Tiere zum Ablaichen zur Gänze im Boden ein. Da die Eier in der Natur völlig vergraben sind, erweisen sie sich als empfindlich gegenüber Licht. Entwicklungstemperaturen 22 - 25°. Die Entwicklungszeit liegt zwischen 3 und 5 Wochen bei anderen 2 Monaten bi s5 Monate. Die Jungen können sofort schwimmen und müssen unverzüglich gefüttert werden, am bestem mit Artemia Salina. Hin und wieder muß man die Jungfische nach Größe aussortieren und die schneller wachsenden von den kleiner bleibenden Trennen, um Kannibalismus zu verhindern.
Die zweite Gruppe sind die sogenannten Haft- oder Pflanzenlaicher. Sie geben ihren Laich an Pflanzen oder Moosen ab (Nylonbüschel). Die Eier können abgesammelt und in flachen Schalen zur Entwicklung gebracht werden. Die Entwicklungszeit schwankt zwischen 10 und 18 Tagen. Auch hier schwimmen die Jungfische sofort und sind genauso wie die Bodenlaicher aufzuziehen.
Empfehlenswerte Gattungen und Arten:
Aphanius (Mittelmeerkärpflinge)
Aphyosemion
Aplocheilichthys (Leuchtaugenfische)
Epiplatys (Hechtlinge)
Nothobranchius (Prachtgrundkärpflinge)
Pachypanchax (Hechtlinge)
Cyprinodon (Wüstenfische)
Cynolebias (Fächerfische)
Rivulus (Bachlinge)
Pterolebias (Schleierkärpflinge)
Oryzias (Reiskärpflinge)